Botschaft des Monats - Februar 2015

Der Prophet Muhammad, Allahs Friede und Segen auf ihm, sagte: „Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist.“ (überliefert von Dschamius Sair)

Zuhören, helfen, unterstützen. Viele Wege führen zu dem Ziel, anderen Menschen Gutes zu tun. Jeder Einzelne ist Teil des Ganzen und somit verantwortlich für die Gesellschaft. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Sich mit den Gegebenheiten seiner Umwelt, seiner Stadt, seines Landes zu beschäftigen, ist die Voraussetzung für Veränderung. Mit offenen Augen durchs Leben gehen, statt mit Scheuklappen nur den eigenen Weg zu sehen.

Der zweite Schritt ist die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben und dessen Mitgestaltung. Aktivität ist gefragt. Dies bedeutet nicht gleich, ein politisches System zu verändern oder ein Gesetz zu revolutionieren. Auch dem Nachbarn mit seinen Einkäufen zu helfen oder der Mutter ein Lächeln zu schenken, ist ein Beitrag. Ein sehr großer sogar. Nützlichkeit liegt im Auge des Betrachters.

Schritt Nummer drei: Gemeinsam sind wir stark. Nach diesem Motto sollen wir auch andere dazu anhalten, Müll nicht auf die Straße zu werfen und ihnen helfen, den nächsten Mülleimer zu finden. Denn auch Hindernisse aus dem Weg zu räumen, gilt als Spende. 

Der Beste unter den Menschen ist nicht derjenige, der sich den Schwierigkeiten und Geduldsproben im Umgang mit den Menschen entzieht, sondern derjenige, der den Menschen nützt. Ihnen hilft, ihnen zuhört, sie versteht, sie verbindet. Und was immer ihr an Gutem tut, wahrlich, Allah weiß es wohl. (Heiliger Koran: Sure 2, Vers 215)

Bremen tut was - Sie auch?

Ein Nachruf der Schura Bremen

7.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich am vergangenen Montag auf dem Bremer Marktplatz versammelt, um an der Kundgebung „Bremen tut was“ teilzunehmen. Ein großes Bündnis aus Politik und Gesellschaft spricht sich mit dieser Initiative für eine weltoffene Stadt und gegen fremdenfeindliche Tendenzen aus. Institutionen, Gewerkschaften, Parteien, Religionsgemeinschaften – alle sind sie sich einig: Das Ziel ist ein friedvolles Miteinander. Rassistische Denkweisen und Hass haben keinen Platz in unseren Reihen.

Die Schura Bremen bedankt sich beim Bürgermeister und allen Organisatoren, Unterstützern und Mitgliedern des Bündnisses für die Offenheit und Zusammenarbeit. Ein großer Dank geht außerdem an die Bürgerinnen und Bürger, ohne dessen Teilnahme eine Kundgebung nicht möglich gewesen wäre. Die farbigen Regenschirme spiegelten das Motto wider: „Bremen ist bunt“.

Die Bremer Musliminnen und Muslime sind Teil dieser Gesellschaft, was auch durch dieses Projekt wieder deutlich wurde. Respektieren statt nur Tolerieren ist der (Bremer) Schlüssel zum Erfolg. „Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ (Goethe)

In diesem Sinne freut sich die Schura Bremen auf weitere Kooperationen und bleibt mit Allahs Hilfe stets offen für den interreligiösen Dialog. Wir appellieren an alle Menschen, aktiv zu werden und einen Beitrag für das friedvolle Miteinander zu leisten. Sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene gibt es noch viel zu tun. Die Schura Bremen tut was. 

Bremen tut was - Kundgebung am Montag, den 26. Januar, um 17.00 Uhr

Wir stehen für eine weltoffene Stadt. Deshalb kämpfen wir entschieden gegen antisemitische, islamfeindliche und fremdenfeindliche Tendenzen und Parolen in unserer Gesellschaft. Damit dieses weltoffene Bremen jeden Tag Realität sein kann, müssen wir ohne Vorbehalte und Ängste aufeinander zugehen, miteinander reden, einander zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir setzen auf ein friedliches Miteinander aller Menschen in unserer Stadt und bieten deshalb intensiv den Dialog zwischen allen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen an.

In Bremen leben weit über fünfhunderttausend Menschen. Die einen sind hier geboren, die anderen im Lauf ihres Lebens hergezogen. Etwa jeder vierte hat nicht-deutsche Wurzeln. Die Bremerinnen und Bremer kommen aus allen Teilen Deutschlands und der Welt, sie haben unterschiedliche Interessen, Weltbilder, Träume, Lebensplanungen und Vorstellungen vom Leben, Partnerschaft und Familie, sie sind konfessionslos, christlich, muslimisch, jüdisch oder eines anderen Glaubens, sie sind jung oder alt – sie sind verschieden. Eins haben sie gemeinsam – sie sind alle Menschen! Menschen mit dem gleichen, unveräußerlichen Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit, ohne dabei andere in ihrer Freiheit zu beschränken.

Bremen braucht Zuwanderung. Gerade eine so stark mit dem Welthandel verbundene Hafenstadt wie Bremen muss weltoffen und tolerant bleiben. Zuwanderung ist mehr Bereicherung als Last, sie brachte und bringt neues Wissen, frische Ideen, Arbeitskraft und wirtschaftliche Dynamik in die Stadt.

Derzeit suchen immer mehr Menschen Schutz vor Krieg, Verfolgung, Elend und Terror, auch in Bremen. Ihre Aufnahme und Integration ist eine Verpflichtung, die sich aus der deutschen Geschichte und der UN-Flüchtlingskonvention ableitet. Sie ist für uns auch ein Gebot der Humanität. Wer aus seiner Heimat flieht, hat gute Gründe.

Wir setzen auf Integration von Anfang an, wenn es darum geht, Flüchtlinge aufzunehmen, die auf absehbare Zeit oder für immer in Deutschland bleiben werden. Natürlich ist es eine Herausforderung für jede Stadtgesellschaft, eine große Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern aufzunehmen, ihnen das Ankommen zu erleichtern und ihnen eine Lebensperspektive zu geben. Integration ist kein Selbstläufer, Integration bedeutet Anstrengung von allen. In Bremen sorgen viele Bürgerinnen und Bürgern in den Stadtteilen dafür, dass das Wort "Willkommenskultur" keine leere Worthülse ist. Wir rufen alle Bremerinnen und Bremer auf, den vielen positiven Beispielen zu folgen.


Mehr Informationen unter: http://www.bremen.de/bremen-tut-was

Meinungsfreiheit hat Grenzen - Schura Bremen lehnt Religionssverhetzung ab

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

 

Die Schura Bremen verurteilt jegliche terroristische Handlung. Der Name des Islam darf nicht für derlei Taten missbraucht werden, da sie den Geboten Allahs und den Lehren des Propheten widersprechen. Der Prophet Muhammad, der Friede und Segen Allahs seien auf ihm, ist die einflussreichste Persönlichkeit der Menschheitsgeschichte, „er war der einzige Mann in der Geschichte, der sowohl auf religiösem als auch auf weltlichem Gebiet höchst erfolgreich war“. (Hart, The 100, New York 1978, S. 33) Für über eine Milliarde Menschen ist er auch heute noch von zentraler Bedeutung.

 

Allah der Erhabene sagt im Heiligen Koran: „Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.“ (Sure 21, Vers 107) Der Prophet war ein sehr tugendhafter und liebevoller Mensch. Er ging mit seinen Feinden auch in großer Bedrängnis stets fürsorglich und nachsichtig um. In der frühislamischen Zeit wurde er mit Steinen und Dreck beschmissen, erwiderte diese Respektlosigkeit jedoch stets mit einem Lächeln. Dies sind vorbildliche Lehren, die jeder Gläubige beherzigen sollte. Beleidigungen gegenüber dem Propheten treffen jeden Muslim demnach direkt ins Herz, wobei er selbst damals Demütigungen mit Würde und Geduld ertrug. (Weitere Informationen über den Propheten gibt es unter anderem in der Facebook-Aktion #WhoIsMuhammad.)

 

Nichtsdestotrotz gibt es auch Grenzen: Hierzu gehört die Abbildung von Propheten. Wir unterstützen Meinungsfreiheit, aber keine Religionssverhetzung. Karikaturen sind zwar ein journalistisches Werkzeug, um Menschen wachzurütteln und für bestimmte Themen zu sensibiliseren, aber auch eine scharfe Waffe, um Hass und Wut zu schüren. Wie auch Papst Franziskus kürzlich zum Ausdruck brachte, „darf man den Glauben anderer nicht provozieren oder beleidigen. Man darf sich über den Glauben nicht lustig machen“.

 

Die Schura Bremen schließt sich dem an und erwartet von der Öffentlichkeit einen fairen Umgang mit dem Empfinden einer Weltreligion. Die Aufgabe der Politik und Medien ist es gerade in diesen Tagen, in denen Bewegungen wie Pegida versuchen zu spalten, dieser unrechtmäßigen Behandlung entgegenzuwirken und einen Diskurs einzuschlagen, der auf Respekt und Gerechtigkeit beruht. Plakative und einseitige Schlagzeilen, wie in den aktuellen Ausgaben der großen Nachrichtenmagazine, tragen vielmehr zum Unmut innerhalb der deutschen Gesellschaft bei, als dass diese eine differenzierte Aufarbeitung der Geschehnisse bieten.

 

Pressemitteilung zu Charlie Hebdo: Schura Bremen verurteilt das Attentat aufs Schärfste

Die Schura Bremen verurteilt den Anschlag auf die Pariser Zeitungsredaktion Charlie Hebdo, bei dem zwölf Menschen ihr Leben verloren und ebenso viele verletzt wurden. Wir sind erschüttert über dieses Ereignis und nehmen Anteil an der Trauer der französischen Gesellschaft und der Hinterbliebenen.

 

Keine Religion darf missbraucht werden, um Gewalt zu rechtfertigen. Derlei Taten haben keinen Platz im Islam und verletzen unser Selbstverständnis: Die Würde des Menschen und ein friedvoller Umgang miteinander spielen eine zentrale Rolle in unserem Glauben.

 

Die Schura Bremen warnt davor, den Angriff pauschal allen Muslimen anzulasten. Terrorismus sowie die Stimmungsmache gegen den Islam gilt es, mit allen Mitteln des Rechtsstaates zu verhindern. Die Attentäter müssen gefasst werden und dürfen es nicht geschafft haben, Zwietracht und Hass zwischen den Religionen zu schüren. Stattdessen sollten wir gemeinsam mit Gutem reagieren.

 

Unsere Antwort auf die Muhammad-Karrikaturen von damals ist das Friedensprojekt „Muslime schlagen Wurzeln“, welches die Schura Bremen vor sechs Monaten ins Leben gerufen hat. Hierbei werden Baumspenden für das Land Bremen gesammelt. Gemeinsam mit der Umweltbehörde säen wir Samen für eine positive Zukunft und ein friedvolles Miteinander.

Islamisches Leben in Deutschland - Kreativwettbewerb

"Ich trage einen Traum in meinem Herzen" - Mit diesem Titel gewann Souher Nassabieh den Kreativwettbewerb "Islamisches Leben in Deutschland". Die Konrad Adenauer Stiftung hatte dieses Projekt ins Leben gerufen. Viele haben sich beworben und es sind tolle Ergebnisse zustande gekommen. Ismail Baser, Vorstandsvorsitzender der Schura Bremen, war Teil der Jury in diesem Wettbewerb. Den zweiten Platz bekamen SchülerInnen aus Bochum und Duisburg für den Rap "Lasset uns Freunde sein" und den Song "Cool & Maschallah". Am 24. November dieses Jahres wurden die Gewinner im Bremer Atlantic Grand Hotel geehrt. Hier finden sie das Gewinner-Gedicht: http://www.kas.de/wf/de/33.39717/